Artanos - die Gruppe

Mit dem abgewandelten Schillerdrama ´Die Räuberinnen´ hat die Theatergruppe Artanos im Sommer 2016 bereits die 22. Produktion erfolgreich auf die Beine gestellt. Seit 1995 verwandelt die Truppe jeden Sommer den Berg am Laimer Behrpark für ein paar Wochenenden in ein Freilichttheater.
Begonnen hatte alles mit dem Sommernachtstraum von William Shakespeare, der dem schauspielbegeisterten Haufen, der sich damals zusammenfand, auch den Namen gab: ART-AN-OS, gefügt aus den umgedrehten Anfangssilben von SOmmerNAchtsTRAum.
Der Sommernachtstraum war nicht nur eine gelungene Verwandlung des Behrparks in den Zauberwald eines Sommertheaters, sondern der Auftakt für viele Jahre intensiver Theaterarbeit. Mussten im ersten Jahr die Schauspieler und auch das Publikum gelegentlich bei strömendem Regen im Freien ausharren, fand Artanos ab 1996 in der Aula der Realschule Maria Ward ein geeignetes Ausweichquartier für Schlechtwettertage. Dem ´Sommernachtstraum´ folgten die Inszenierung von Molières ´Tartuffe´, ´Die Hochzeit des Figaro´ von Beaumarchais, dann ´Der eingebildete Kranke´, wieder ein Klassiker aus Molières Feder.
1999 spielte Artanos ´Die deutschen Kleinstädter´ von August von Kotzebue, anschliessend ´Der Drachenthron´ von Wolfgang Hildesheimer, 2001 die Boulevard-Komödie ´Pension Schöller´ von Carl Laufs und Wilhelm Jakoby, 2002 Goldoni´s ´Diener zweier Herren´, 2003 ´Moral´ von Ludwig Thoma, 2004 ´Die lustigen Weiber von Windsor´- ein Klassiker von Shakespeare, 2005 die Komödie ´Don Gil von den grünen Hosen´ von Tirso de Molina, 2007 ´Romulus der Grosse´ von Friedrich Dürrenmatt, 2007 die zeitgenössische Komödie ´Luzifers Nöte mit der Demokratie und der Autobahn´ von Ralf Stemmle, 2008 die Komödie "Der Revisor" von Nikolai Gogol, 2009 "Das Kaffeehaus" von Goldoni. 2010 bis 2012 wurden dann mehrere Kriminalkomödien gezeigt: "Karten auf den Tisch" von Agatha Christie, "John Stanky Privatdetektiv" von Andreas Kroll und schliesslich "Bubblegum und Brillanten" von Jürgen Baumgarten .
2013 wurde mit ´Hochzeit des Achilles´ von Artur Swinarski ein Stück aufgeführt, dass in der Antike im sagenumwobenen Land der Amazonen spielt. Die 20. Artanos-Saison wurde 2014 mit dem Stück ´Tristan und sei Oide - oder Aufstand der Wagnerweiber´ gefeiert, einer musikalischen Parodie von Rolf Stemmle. 2015 war wieder eine spitzige Kriminalkomödie dran - ´Mörderstund' ist ungesund´ von Christine Steinwasser.
Nicht zuletzt aufgrund des zahlenmäßigen Ungleichgewichts zwischen Schauspielerinnen und Schauspielern wurde 2016 das zeitgenössische Stück ´Die Räuberinnen´ von Isolde Lommatzsch ausgewählt, eine Persiflage auf Schillers ´Räuber´.

Um das Sommertheater zustande zu bringen, muss mit der Arbeit bereits im Winter begonnen werden. Alljährlich im Oktober trifft sich Artanos, um das Stück der kommenden Saison auszuwählen. Eine Entscheidung nicht ohne Probleme, denn es gilt, vieles zu bedenken: Es darf nicht zu wenige Rollen geben und nicht zu viele, vor allem nicht zu viele Männerrollen - denn meist sind die weiblichen Mimen in der Überzahl. Dann soll der Charakter der Rolle und die Person des Darstellers möglichst gut zusammenstimmen, denn nicht anders als bei Profibühnen lebt die Qualität der Inszenierung von der möglichst optimalen Besetzung der Figuren. Das Stück darf nicht zu lang sein, aber auch nicht zu kurz und es muss sich für eine Aufführung im Freien eignen - und vor allem muss es zu Artanos passen. So bestimmen nicht die grossen Tragödien der Weltliteratur den Spielplan der Truppe, sondern die (nicht weniger berühmten) Komödien. Und im Laufe der Jahre hat sich auch eine Vorliebe für die barocke Charakterkomödie herauskristallisiert, für die die Namen Molière, Beaumarchais und Goldoni stehen. Aber auch moderne Autoren zählen zum Repertoire von Artanos, wie in den letzten Jahren bewiesen werden konnte.

Diese Mischung aus Wandel und Stabilität begleitet die Arbeit der Gruppe seit Jahren: um den festen Kern von etwas zehn bis fünfzehn "Unermüdlichen", die grösstenteils schon seit der ersten Probe 1995 dabei sind, gruppiert sich ein eher loser Zusammenschluss von Artanos-Anhängern, die nicht in jedem Jahr mitarbeiten können oder wollen. So sieht man bei jeder Produktion neben den altbekannten auch neue Gesichter auf der Bühne und im Programmheft.

Flexibilität und Vielseitigkeit bei der Übernahme von Aufgaben ist überhaupt immer gefragt bei der Theaterarbeit. Denn, wie ein kleiner Ausflug hinter die Kulissen zeigt, spielt sich nur ein Bruchteil der Arbeit auf der Bühne ab. Die Organisation im Hintergrund ist das A und O, angefangen bei der Wahl des Stücks, der Konzeption von Kostümen und Maske, der Herstellung von Bühne und Kulissen, Ausleihen und Einrichten der Bühnentechnik bis hin zum Sprechtraining, der Musik, Pflege der Homepage, Plakat- und Programmheftgestaltung, Werbung, Programmverkauf und Catering bei den Aufführungen. Hier muss an tausend Kleinigkeiten gedacht, müssen viele Arbeitsstunden investiert werden. Und so arbeiten die wenigsten über die Jahre hinweg "nur" als Schauspieler mit, und mancher hatte schon mehr als eine Doppelrolle: Schauspieler können auch Requisiteure sein, Souffleusen Kostümschneiderinnen, als Statisten finden sich gelegentlich Regisseure und Plakatdesigner auf der Bühne, Techniker springen als Probenpartner ein.
Von diesem Geist lebt Artanos - und schafft es zum Glück jedes Mal, entgegen mancher Widrigkeit, sein Spiel auf die Bühne zu bringen.

 Sommernachtstraum  Tartuffe  Figaros Hochzeit  Der eingebildete Kranke  Die Kleinstädter
 Turandot  Pension Schöller  Diener zweier Herren  Die Moral  Die lustigen Weiber von Windsor
 Don Gil  Romulus der Große  Luzifers Nöte  Der Revisor  Das Kaffeehaus
 Karten auf den Tisch  John Stanky  Bubblegum und Brillanten  Die Hochzeit des Achilles  Tristan und sei Oide
 Mörderstund' ist ungesund  Die Räuberinnen